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Allograft

Mein Weg zur Allograft OP

 

Mein Aufklärungsgespräch fand relativ spontan statt, so dass ich zu diesem Zeitpunkt noch keine großartigen Fragen hatte. Wir trafen in Heidelberg ein und wurde dort von einem Kollegen meines Arztes aufgeklärt, da dieser sich bereits im Flieger nach Seoul befand.

Ein Spendermeniskus oder auch Allograft kommt von einem Verstorbenen und muss in der Größe mit dem eigenen Meniskus übereinstimmen. Um an den Spendermeniskus zu kommen, wird man wie bei einer Organspende, auf eine Spenderliste gesetzt. Da es sich aber nicht um ein Organ handelt, müssen die Blutgruppen nicht übereinstimmen, eine Abstoßung gibt es ebenfalls nicht. Das macht es natürlich schon einmal deutlich leichter. Alle Spender werden auf die unterschiedlichsten Erkrankungen untersucht, eine 100% Absicherung gibt es allerdings nicht. So musste ich mich vorab auf z.B. HIV und Hepatitis testen lassen (zahlt ebenfalls nicht die Kasse!).

Beim Aufklärungsgespräch wurde ich ebenfalls darauf hingewiesen, dass dies ein sehr, sehr enges Zeitfenster wäre und man mir alle Daumen drücken würde, dass in der kurzen Zeit ein passender Spender gefunden wird. Nach den ganzen Informationen, noch benommen von meiner OP, fuhren wir nach Hause. Meinen geplanten Karibik-Urlaub musste ich absagen. Nicht nur dass mein gespartes Geld gänzlich in die OP fließen würde (und noch mehr), sondern die Wahrscheinlichkeit, dass ich fit genug für diese Reise wäre, war auch eher gering.

Die nächsten Wochen hatte ich nun Zeit, mich mit der Operation auseinanderzusetzen. Ich recherchierte viel, fand aber nur wenig. In einem orthopädischen Magazin hatte Prof. Siebold einen Fachartikel zu dieser Operation veröffentlicht, den ich mir durchlas. Die Prognosen einer Allograft-OP sind sehr gut. Auch Langzeitstudien haben ergeben, dass mit einem Spendermeniskus noch einige Jahre "erkauft" werden können. Die OP selbst kann man sich auf Youtube ansehen (nicht meine!).

Ich hatte großen Respekt vor dieser Operation, da doch einiges im Knie gemacht wird. Die Schmerzen nach der OP werden als groß beschrieben, zusätzlich ist die Nachbehandlung sehr langwierig. Bereits nach wenigen Wochen rief mich Heidelberg an und teilte mir mit, dass ein Spender gefunden wäre. Nun musste alles recht schnell gehen, da das Geld ans Krankenhaus überwiesen werden musste und dieses den Meniskus bestellt. Da der Spendermeniskus aus den USA kam, benötigte er natürlich auch noch ca. zwei Wochen bis zum Eintreffen. Auch hier hatte ich wieder einmal Glück im Unglück und alles passte perfekt.

Aufgrund der Tatsache, dass ich dieses Mal drei bis vier Tage im Krankenhaus bleiben sollte, entschied ich mich dazu, einen Tag vorher anzureisen. Meine Mutter fuhr mich gemeinsam mit einer Freundin von ihr am Vortag ins Krankenhaus. Hier hatte ich erneut mein Aufklärungsgespräch und konnte den sommerlichen Abend auf einer Wiese vor dem Krankenhaus genießen. Lustigerweise traf ich Shila wieder, die am gleichen Tag wie ich operiert werden sollte. Sie erhielt ihre ACT und noch eine weitere OP am Knie. Wir quatschten noch bis in die Abendstunden und verabschiedeten uns. Da wir dieses Mal unsere Handynummern ausgetauscht hatten, schrieben wir uns am nächsten Tag noch vor der OP und wünschten uns Glück.

Meine OP sollte zunächst die erste am Morgen sein, wurde aber vorher noch einmal auf den späten Vormittag verlegt. Dieses Mal war ich extrem aufgeregt und wahr einfach nur froh, als ich endlich Richtung Operationssaal geschoben wurde. Zugang, ein kleines Pläuschen mit dem OP-Assistent und dann kam auch schon der Anästhesist und verabreichte mir die Dosis zum Schlafen.

Als ich aufwachte, ging es mir sehr schlecht. Mein Kreislauf war am Ende und ich hatte starke Schmerzen. Nach einigen Stunden wollte man mich endlich auf die Station schieben, aber als ich mich auf der kurzen Fahrt erneut übergeben musste, wurde ich wieder zurück gebracht. Noch den ganzen nächsten Tag verbrachte ich im Bett und konnte kaum etwas essen. Eine Spirale aus Schmerzmitteln, die mir auf den Kreislauf schlugen und Nichtessenkönnens, weil mir so schlecht war, setzte ein und ließ erst langsam nach. Man gab mir ein sehr starkes Schmerzmittel, so dass ich benommen wurde und gut hätte schlafen können, wenn nicht in meinem Viererzimmer eine demente Frau gelegen hätte, die die Nacht zum Tag machte und ständig gegen ihr Gitterbett schlug und "Hallooooo, halllloooo" rief. An dieser Stelle habe ich mich übrigens mehrfach einen Schmerzkatheter gewünscht. Dies hatte ich bereits im Anästhesiegespräch angesprochen. Leider war der Arzt der Meinung, dass man bei einer solchen OP keinen benötigen würde und so blieb es mir verwehrt. Meine Zimmernachbarin, die an den Kreuzbändern operiert wurde, hatte übrigens einen und ich habe sie sehr darum beneidet.

Bis Samstag musste ich im Krankenhaus bleiben und erst freitags wurde meine Drainage entfernt. Die Schmerzen dabei waren wirklich zum Aushalten! Als ich samstags abgeholt wurde, ging es mir soweit schon wieder gut und ich sehnte mich nach gutem Essen und meiner Ruhe.

Mein Nachbehandlungsplan:

6 Wochen Belastung bis maximal 10 Kg, weitere zwei Wochen 20 Kg, ab der neunten Woche Vollbelastung. CPM-Schiene für 8 Wochen und 5x 30 Min.(es wurden nur 6 daraus, da die KK nur sechs Wochen übernimmt), 3 Tage Flexion 0-Grad, dann eine Woche 60 Grad, dann eine Woche 90 Grad, anschließend freigestellt. Orthese für 10 Wochen 24h.

Obwohl diese OP deutlich umfangreicher war als meine Naht im Oktober, reagierte mein Knie überraschend positiv. Die Schwellung hielt sich von Beginn an sehr in Grenzen, ebenso wie die Schmerzen. Nachdem die Drainage gezogen worden war, waren die Schmerzen direkt besser. Wie verordnet nahm ich aber auch weiterhin 2x täglich Ibu und einen Magenschutz ein.

Genau wie vorgeschrieben erreichte ich meine Beugungen und das ohne Schmerzen. Da ich wieder direkt von Beginn an Physio und dieses Mal auch Lymphdrainage hatte, war ich so fit wie schon lange nicht mehr.

Acht Wochen können eine verdammt lange Zeit sein. Shila und ich schrieben uns in der Zeit sehr häufig, um die Moral aufrecht zu halten. Das Wetter war die letzten Wochen hier einfach perfekt und so konnte ich die Zeit bei meinen Eltern im Garten genießen. An die Krücken kann man sich schon sehr gewöhnen und nur bei längeren Strecken habe ich sie verflucht. Mit einem Rucksack und einem Thermobecher "bewaffnet", konnte ich viele Dinge eigenständig von A nach B tragen.

Letzte Woche durfte ich die Krücken endlich in die Ecke stellen und habe dies auch sofort getan. Noch bis mittags habe ich sie dabei gehabt, um etwas Sicherheit zu bekommen und habe sie dann aber in den Hausflur gestellt, wo sie heute noch stehen.

Samstag bin ich 4,1 Km gelaufen. Während des Laufens hatte ich kaum Schmerzen, es war eher manchmal unangenehm. Abends hat es dann aber doch etwas im Knie gepocht, aber wurde nach einer kleinen Kühlpause direkt besser. Angeschwollen ist das Knie allerdings nicht.

 

Ich bin sehr gespannt, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden und werde immer mal wieder berichten, was im und mit dem Knie passiert. Ende September habe ich meinen Kontrolltermin in Heidelberg und bin gespannt, was Prof. Siebold zu meinem Knie sagt :)

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